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02.04.2019
Vortrag: "Geretteter Revolutionär oder tobender Asylant? Richard Wagner in seiner ,neuen Heimat‘ Schweiz“
Prof. Dr. Nike Wagner, Intendantin des Beethovenfestes Bonn
2. April 2019, 19:30 Uhr
Stadtmuseum Düsseldorf, Ibach-Saal, Berger Allee 2, 40213 Düsseldorf
2. April 2019 um 19.30
Stadtmuseum Düsseldorf, Ibach-Saal, Berger Allee 2, 40213 Düsseldorf

Der Vortrag

Als Richard Wagner 1849 in die Schweiz flüchtete, war er eher ein "tobender Asylant", den Kopf voller Ideen. In Zürich, dem Zufluchtsort zahlreicher deutscher Emigranten, erlebte er seine kreativste Phase. Er entwickelt die Idee von Festspielen, skizziert eine Vorlage zu Parsifal, schreibt die Textbücher zum Ring des Nibelungen und zu Tristan und Isolde. Der Ring wird bis zur Mitte des Siegfried komponiert, die Komposition des Tristan begonnen. Wagners Konzeption des Musikdramas nimmt in seinen sog. Züricher Kunstschriften, in denen er Theatertheorie und politische Vision verbindet, endgültige Formen an.

Wagner entwickelt sich zum gefeierten Mittelpunkt des Züricher Konzertlebens. Die Züricher wurden zu dankbaren Zuhörern, wenn Wagner als Kapellmeister seiner Allgemeinen Konzertgesellschaft Konzerte gab oder auch seine Textbücher vorlas. Er fand Anhänger und Gönner wie Otto Wesendonck und dessen Frau Mathilde. So wurde aus dem einstigen Revolutionär ein Bürger, der durchaus Gefallen an „Luxus und großartigem Lebensstil“ fand.

Die Referentin
 

© Cornelis Gollhardt
 
Nike Wagner, Tochter von Wieland Wagner, Urenkelin von Richard Wagner und Ur-Urenkelin von Franz Liszt, wuchs in der Villa Wahnfried in Bayreuth auf.
Sie studierte Musik-, Theater- und Literaturwissenschaft in Berlin, Chicago, Paris und Wien und promovierte über Karl Kraus und die Erotik der Wiener Moderne.Seit 1975 arbeitet Nike Wagner als freiberufliche Kulturwissenschaftlerin und wirkt an internationalen Symposien und Kolloquien mit. Als Autorin wurde sie bekannt durch ihre Arbeiten zur Kultur- und Geistesgeschichte der europäischen Jahrhundertwende, als Kritikerin und Essayistin durch ihre Auseinandersetzung mit Richard Wagner und Bayreuth.
Von 2004 bis 2013 war Nike Wagner die künstlerische Leiterin des Kunstfestes Weimar »pèlerinages«.
Seit 2014 ist sie Intendantin des Beethovenfestes Bonn.
 

Wir würden uns sehr freuen, wenn wir Sie, verehrte Mitglieder und Freunde, an diesem Abend im Ibach-Saal des Stadtmuseums Düsseldorf begrüßen könnten.



NIKE WAGNER BEGEISTERT BESUCHER

Die Musik- und Theaterwissenschaftlerin Nike Wagner, Urenkelin Richard Wagners und Ur-Urenkelin von Franz Liszt, war jetzt zu Gast beim Richard-Wagner-Verband Düsseldorf. Im Ibach-Saal des Stadtmuseums Düsseldorf referierte sie über Wagners langjährigen Aufenthalt in der Schweiz.

Auf feinsinnige und auch kurzweilige Weise machte sie deutlich, wie wichtig das schweizerische Exil für Wagner und andere Künstler war. In Zürich und anderen Ortschaften der Eidgenossen konnte Wagner sich als Musiktheoretiker, Schriftsteller und Komponist frei entfalten. Er geriet in einen geradezu atemlosen Schaffensrausch. Er schrieb seine Zürcher Kunstschriften, dichtete den kompletten Ring des Nibelungen und komponierte das Rheingold, die Walküre und den größten Teil des Siegfried. Auch das Musikdrama Tristan und Isolde entstand größtenteils am Fuße der Alpen.

Nike Wagner stand auch für Fragen aus dem Publikum zur Verfügung und beantwortete ohne Beschönigung kritische Fragen über die Nähe der Wagner-Familie zu den Nationalsozialisten. Wagners Antisemitismus erläuterte sie differenziert, erklärte ihn auch vor dem Hintergrund schwieriger sozialer Umstände, sprach Wagner aber keineswegs frei von Schuld. Franz Liszt - den großen Kosmopoliten und Cognac-Trinker - nahm sie als Gegenbeispiel zum deutschtümelnden Punsch-Trinker Wagner. Keinen Hehl machte Nike Wagner aus ihrem Entsetzen über die nationalsozialistische Gesinnung ihrer Großmutter Winifred Wagner. Ein insgesamt lehrreicher und gut verständlicher Vortrag, der die weit über hundert Besucher begeisterte.

(Dr. Lars Wallerang)
 
      
       v.l. Prof. Dr. Nike Wagner, Gisbert Lehmhaus, Prof. Boris Bloch
                                                                        
                                                            Melanie Florin, Prof. Dr. Nike Wagner            Prof. Dr. Nike Wagner, Gisbert Lehmhaus